Lesung auf der Leipziger Buchmesse – Das Erbe der Kriegsenkel

Auf meinem Buchmesse-Plan stand das Buch „Das Erbe der Kriegsenkel“ von Matthias Lohre und ich hatte das Glück einen Platz in der ersten Reihe zu finden.   Vielleicht fragt sich der eine oder andere – warum dieses Thema, aber meine Familien haben durch den Krieg ihre Heimat verloren und mein Vater seinen Bruder. Je länger man sich mit diesem Thema beschäftigt, meist im Zusammenhang mit der „Erforschung“ der Familiengeschichte, desto mehr erkennt man die Auswirkungen auf das Leben der Eltern und auch das eigene. Mein Vater konnte zum Beispiel seinen Berufswunsch nicht verwirklichen, weil er Geld verdienen musste um seine Mutter zu unterstützen. Seine Mutter, meine Oma, kam nie über den Tod des ältesten Sohnes hinweg. Mein Vater schien oft unsichtbar, sie hat immer nur von Hans erzählt. An ihn kam niemand heran. Wenn ich zu Besuch kam, wurde ein Kästchen mit Foto und Todesanzeige herausgeholt. Nie hat sie etwas über meinen Vater erzählt, nur über den anderen Sohn. Ich glaube, dass mein Vater sein Leben lang daran getragen hat und die Sehnsucht nach seinem Nicht-Beruf ist nie vergangen. Und natürlich haben auch mich diese Dinge beschäftigt. Mein Vater ist schon ein paar Jahre tot, aber nie konnte ich wirklich …

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Lesefreude mit dem „Rocklexikon der DDR“ von Götz Hintze

Mit meinem Blog habe ich vor ein paar Jahren auf einer kostenlosen Plattform begonnen und festgestellt, dass dort noch einige interessante Beiträge schlummern. Ein paar erwecke ich nun wieder zum Leben. Das ist einer davon 🙂 Götz Hintze gab mir sein Rock-Lexikon vor ein paar Tagen und so hatte ich genug Zeit darin zu lesen. Zu meiner Überraschung wurde es eine Reise in die Vergangenheit. Viele Bandnamen hatte ich schon fast wieder vergessen (wie BERLUC) und bei anderen Biographien habe ich mich von Artikel zu Artikel gelesen. Toll, die Verlinkung, mit der man viele Verbindungen innerhalb DDR-Szene wieder lebendig macht. Und dann gibt es noch die „Best of 50 – DDR-Rock-Hits“ von 1975 bis 1989 (bzw. 1990 als DT 64-Liste). Wie viele Songs konnte man damals mitsingen, verrückt. Welche Konzerte haben wir besucht und welche Poster hingen an unseren Wänden? An all das erinnert man sich beim Lesen bzw. Blättern in dem Buch. Wenn Ihr auch zu dieser DDR-Rock-Generation gehört oder einfach nur Musikfans seid, dann ist das ein Buch für Euch. Vielleicht fragt Ihr Euch auch ab und zu: 1. Was war euer erstes Ostrockkonzert? 2. Welche Ostrockband ist euch in frühester Erinnerung? 3. Welche Band würdet Ihr gern …

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Buch-Tipp: „Der vergessene Mord“ von Rolf Lohbeck

Unterirdische Gänge, geheime Zimmer, ein Fahrstuhl zum Strand und Schränke voller Bücher aus DDR-Zeiten, so zeigt sich die Vergangenheit des heutigen Cliff Hotels Sellin. Sicher ein Grund für den Hotelbesitzer und Buchautor Rolf Lohbeck, das alles in einem Politthriller zu verarbeiten. „Der vergessene Mord“ erschien 2012 zum ersten Mal (ist nun auch als eBook erhältlich) und  basiert auf dem geheimnisvollen Tod des Journalisten Kurt Lichtenstein. Inspiriert von diesem Fall und anderen geschichtlichen Ereignissen der deutschen Vergangenheit, die in diesem Krimi ausführlich beschrieben werden, entsteht ein Politikkrimi, der eine Freude für Verschwörungstheoretiker ist. Worum es geht Im Cliff Hotel, dem ehemaligen Gästehaus der DDR wird eine geheime Akte von Margot Honecker über Erick Mielke gefunden. Diese enthält totgeschwiegene Informationen über dessen Vergangenheit, die zu DDR-Zeiten ein Tabu war (ebenso wie Teile der Vergangenheit anderer DDR-Politiker). All das ist sehr ausführlich beschrieben, gut für die Leser, die sich nicht so gut mit der DDR-Geschichte auskennen. Dabei man sollte die künstlerische Freiheit bedenken, die sich der Autor genommen hat. Der Spannung ist das alles nicht abträglich und wenn man sich eingelesen hat, fiebert man mit den Haupthelden des Romans mit. Das sind der Kurt Lichtenstein nachempfundene Journalist Werner Hellberg, der 1961 an der deutsch-deutschen Grenze ums …

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Filmtourismus – Drehort: Krematorium in Baumschulenweg

Falls Ihr in Berlin seid und etwas Besonderes machen wollt, dann fahrt einfach nach Baumschulenweg, nehmt den Bus 166 und steigt am Friedhof Baumschulenweg aus. Ja, ich meine es ernst, denn dort findet Ihr einen beeindruckenden Drehort – ein Krematorium. Bisher konnte ich drei Filme ermitteln, bei denen das Krematorium als Kulisse diente. – Aeon Flux (2005) – 24h Berlin (2008) – Cloud Atlas (2012) Das 1999 fertig gestellten Krematorium Baumschulenweg wurde nach den Plänen von den Axel Schultes Architekten, Berlin, errichtet, die u.a. auch das Bundeskanzleramt in Berlin schufen. Das Gebäude gehört dank der außergewöhnlichen Architektur zu den herausragenden, zeitgenössischen Gebäuden Berlins. Deshalb ist es eigentlich unfair, es als Drehort zu begrenzen. Ich kann den Besuch dieses Gebäudes nur empfehlen, es ist wirklich überwältigend. Die Adresse: Krematorium Berlin Baumschulenweg Kiefholzstrasse 221 12437 Berlin S-Bhf. Baumschulenweg, Bus 166 Das Krematorium und der Friedhof sind zu normalen Zeiten geöffnet, natürlich finden dort Trauerfeiern statt und es gibt bestimmte Regeln denen man folgen muss. Aber das ist sicher klar. Falls Ihr Euch an weitere Filme erinnert, die dort gedreht wurden, schreibt mir bitte.

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Rezension: Das große Lexikon der amerikanischen Soaps

Enttäuscht, Rezension vom 30. Januar 2003 Nach mehrfacher Verschiebung des Erscheinungstermin kam das Buch kurz vor Jahresende 2002 auf den Markt. Warum die Verzögerung ? An der Aktualität kann es nicht gelegen haben, denn als Soapfan findet man bereits nach kurzem Blätter zahlreiche Fehler, die sich aus der Nichtaktualität ergeben haben. Auch bestimmte Fakten stimmen nicht, Soaps die in Deutschland gelaufen sind, fehlen einfach, wichtige Stars werden nicht erwähnt. Das größte Manko : die fehlende Aktualität. Ein Lexikon – Nachschlagewerk kann nicht einfach Ende der 90iger Aufhören, man sollte schon bis an die Gegenwart herangehen. Mag sein, dass sich die Autoren dachten, da die Soaps nicht mehr in Deutschland laufen, ist es den Lesern egal. Mir nicht. Zweifelhaft auch der Aufbau. Viele Schauspieler wechselten die Soaps und die Zuordnung zu einer Serie ist meiner Meinung nach nicht die beste Wahl gewesen. Vielleicht hätte man am Ende des Buches ein Schauspieler-Verzeichnis anlegen sollen ? Damit hätte man wenigstens in dieser Hinsicht den Lexikoncharakter erhalten. Im Großen und Ganzen ist das Buch vor allem trotzdem für den Serienfan zu empfehlen, weil es auf dem deutschen Markt zu wenig solcher Bücher gibt. Ansonsten bin ich etwas enttäuscht. Das große Lexikon der amerikanischen Soaps …

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Geliebte Kinderbuchschätze

Schon vor ein paar Wochen wollte ich etwas zur unterschiedlichen Sozialisation von Ost- und Westkindern scheiben. Ausgangspunkt war ein Zeit-Artikel und eine Frage, die ich mir schon eine Weile stelle. Warum wird oft so getan als wenn alle Deutschen mit den gleichen Büchern, Autoren, Filmen usw. aufgewachsen sind. Das beginnt mit den Kinderbüchern und Comix, geht über Maler und Komiker bis zu vielen Filmen. Sicher, manche kannte man auch im Osten. Aber wir hatten unsere eigenen Kinderbücher und die Preußler-Bücher standen zum Beispiel nicht in meiner Bibliothek, dafür aber die Bücher von Alexander Wolkow. Die waren nun im Westen nicht begannt, oder ? Im Rahmen der Blogparade zum Thema “ Geliebte Kinderbuchschätze“ möchte ich Euch diese Bücher ans Herz legen, weil sie zeitlos sind. Fast jedes DDR-Kind kannte die Bücher von Alexander Wolkow. Dort ging es um ein Zauberland und ein kleines Mädchen namens Ann, dass von einen Sturm von zu Hause weggeweht wurde. Mit einem kleinen Hündchen. Kommt Euch das bekannt vor? Aber zu Zeiten der Mauer und des Nichtinternets wusste man nicht, das es sich um eine “Nacherzählung”  des Buches „Der Zauberer von Oz“ von Frank Baum handelte. Insgesamt kam die Nacherzählung auf 6 Bände, entwickelte also ein Eigenleben. Bd. 1: Der …

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Fragen an Rainer Clute, Hörspielregisseur und Übersetzer

Hallo Rainer, Du bist Hörspielregisseur und Übersetzer. Ich hoffe, die “Berufsbezeichnung” stimmt? Wenn ich Dich google, bekomme ich viele Treffer, die genau das sagen. Wie würdest Du Dich selbst beschreiben? Ich bin von Beruf Regisseur. Da ich immer sehr viel gelesen habe und aufgrund meines entsprechenden Studiums in Uppsala speziell mit schwedischer Literatur vertraut bin, entwickelte sich nebenbei das Interesse, schwedische Autoren in meine Muttersprache zu übersetzen. Das hat sich aber auf Hörspieltexte beschränkt, die ich im Rahmen meiner Arbeit als Regisseur übersetzt habe. Zudem habe ich einige Romane als Hörspiele bearbeitet. Du hast viele skandinavische Autoren übersetzt. Was reizt Dich daran besonders? Siehe oben. Manche Texte sprachen mich direkt an. Bei anderen ergab sich die pragmatische Überlegung, daß sie für unser Hörspiel-Programm geeignet schienen. Wobei das eine das andere nicht ausschließt. (übersetzt habe ich u.a. Björn Runeborg, Torgny Lindgren, Ola Anderstedt und Henning Mankell, bearbeitet habe ich u.a. Eva Ström, Hakan Nesser (3x) und Ilkka Remes.) Hast Du als Regisseur Einfluß auf die Besetzung? Die Besetzung ist ein Teil der Regie-Aufgabe, so wie ich sie verstehe. Es mag Ausnahmen geben – auch in meiner Arbeit, aber normalerweise lasse ich mir in Besetzungsfragen nichts vorschreiben. Wobei ich mich natürlich vom Besetzungsbüro …

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Wieviele Arten, des Tagebuch schreiben gibt es – 26 Arten sagt Angelika von Aufseß

Mein erstes Tagebuch begann ich im Alter von 14 Jahren, wirklich regelmäßig habe ich es nach meinem Wechsel auf die EOS (so hies das Gymnasium in der DDR) geführt und irgendwann nach 20 Jahren plötzlich damit aufgehört. Die Wende war ein Einschnitt, die Abwicklung meiner alten Arbeitsstelle ein anderer. Aber es war ein schleichender Prozess, der nur durch das Schreiben von Reisetagebüchern unterbrochen wurde. Es ist schwer sich die Aufzeichnungen heute anzuschauen, unreflektierte Betrachtungen auf das Teenagerdasein, gemischt mit familiären „Dramen“ und der Weltpolitik, aber hilfreich beim zeitlichen Einordnen von Fotos und dem Erstellen einer Familienchronik. Beim Lesen wurde mir bewusst, wie „intim“ diese Tagebücher sind und ich kann verstehen, wenn man sie vernichtet. „Intim“ ist ein Wort, das sich auch in Angelika von Aufseß Buch „Neuerdings schreibe ich an mich selbst“ findet und das ich vor einer Woche bekommen habe. Natürlich – das Tagebuch von heute ist viel mehr als das Jammerbuch der Teenagerzeit. So hat die Diplompsychologin 26 verschiedene Arten, ein Tagebuch zu führen, identifiziert. In unterhaltsamen Texten, untermalt von Illustrationen, kommen berühmte Tagebuchschreiber zu Wort; konkrete Beispiele und einfache Übungen machen Lust zum Ausprobieren. Aber „Neuerdings schreibe ich an mich selbst“ ist nicht nur ein Buch. Der …

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Aufgeräumt leben

Ab und zu bekomme ich Rezensionsexemplare, in diesem Fall war der Knaur Verlag war so nett und hat mir das Taschenbuch „aufgeräumt leben“ von Constanze Köpp zugeschickt. Natürlich gibt es viele Bücher zu diesem Thema, aber wenn man einfach ein paar neue Ansätze und Ideen braucht, die nachvollziehbar und machbar sind, dann ist das Buch genau das Richtige. Wohnen ist für viele ein Ausdruck von Leben, und unsere Emotionen drücken wir nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich aus. Ist unser Leben in Ordnung, sieht auch unsere Umgebung aufgeräumt auf, geht es innerlich bergab, hinter läßt das auch Spuren in der Wohnung. Daher sollte sich jeder nur mit den Dingen umgeben, die im Heute glücklich machen und nicht mit all dem Plunder, der den momentanen, aber nur allzu kurzen Kick beim Shoppen gibt. Doch wo fängt man mit dem Ausmisten an? Mein kleiner Bruder gab mir den Tipp – Behalte das Schöne. Ein guter und einfacher Ansatz, wenn man sich die vielen Dinge ansieht, die die Schränke füllen. Die Autorin des Buches Constanze Köpp hat 2007 das Ein-Frau-Unternehmen „Wohnkosmetik“ gegründet und hilft Menschen, die ihrem Leben mehr Struktur und Klarheit geben und der eigenen Wohnung eine Frischekur verordnen wollen, aber selbst …

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