Reise in die Vergangenheit – die Planstadt Eisenhüttenstadt

Eisenhüttenstadt – was fällt Dir dazu ein ?  

DDR, Sozialistische Architektur, Stahl, Lost Place, Tom Hanks ?

Tatsächlich ist es bei vielen Tom Hanks, der im amerikanischen Fernsehen von der Iron-Hut-City sprach und damit für ein kleinen Besucherstrom sorgte. In eine Stadt, die irgendwie stehengeblieben ist. Sicher nicht freiwillig und vor allem schwierig für die Menschen, die heute noch hier leben. Die Wiedervereinigung führte zu großen Verwerfungen, Arbeitsplätze wurden abgebaut, es folgten Arbeitslosigkeit und Abwanderung. Die Einwohnerzahl sank währenddessen um die Hälfte auf heute 23.373 Bewohner. Warum also sollte man Eisenhüttenstadt besuchen? Ich war in den letzten Jahren zwei Mal dort, vor allem um die „Vergangenheit“ anzusehen, die sozialistische Planstadt, gegründet als Stalinstadt. Wenn Ihr Lust, folgt mir auf dieser architektonischen Zeitreise, die bei mir Fragen hinterlassen hat. Ich finde, dass sieht man auch auf meinen Fotos, auch weil es bei beiden Besuchen geregnet hat.

Stalinstadt – „Erste sozialistische Stadt auf deutschem Boden“

„Die ehemalige Stalinstadt wurde als Planstadt und „Erste sozialistische Stadt auf deutschem Boden“  ab 1950 errichtet. Ihr baukultureller Wert liegt in dem Anspruch an eine Idealstadt, in der sich in den 1950er und 1960er Jahren Arbeit und Wohnkomfort mit sozialer Lebensqualität zu einem politisch – kulturellen Gemeinwesen verbinden sollten“, so heißt es in einer Pressemitteilung über die Stadt.

Das klang so interessant, dass ich vor Corona eine Stadtführung buchte, die von Martin Maleschka durchgeführt wurde, dem Autor eines Architekturführer über Eisenhüttenstadt. In diesem Buch dokumentiert er 35 Bauten sowie 35 Kunstwerke, von denen wir einige besucht haben. Vor kurzem war ich noch einmal dort und so vermischen sich Fotos und Eindrücke von der Stadt zu einem Bild. In den zwei Jahren hat sich nicht viel verändert, die Zeit scheint weiter still zustehen.

Ankunft per Bahn

Eisenhüttenstadt liegt rund 25 Kilometer südlich von Frankfurt (Oder) und 110 Kilometer von Berlin entfernt. Ich habe den  Zug genommen, der Bahnhof war in einem erbarmungswürdigen Zustand, es regnete und es gab keine Möglichkeit zum unterstellen. Man war praktisch schon nass bevor man sich auf den Weg in die Stadt macht.

Nichts sehr vielversprechend, oder ? Busse fahren am Wochenende selten, also habe ich mich zu Fuß zum Treffpunkt gemacht, dem Zentralen Platz mit dem Rathaus. Dafür benötigt man etwa 30 Minuten.

Wir treffen uns vor einem großen Modell der Stadt, die am Reisbrett entstand. Hier ein paar Fakten: 

  • Im Juli 1950 wurde der Bau des Eisenhüttenkombinates und seiner Stadt beschlossen. Dazu sollte eine angrenzende Wohnstadt gebaut werden.
  • Die Grundsteinlegung der Stadt fand im Februar 1951 statt. Der erste Hochofen des EKO wurde am 19. September 1951 angeblasen und am selben Tag waren die ersten Wohnungen der Wohnstadt bezugsfertig.
  • Die neu gegründete Stadt sollte eigentlich nach Karl Marx benannt werden. Der Tod Stalins am 05. März 1953 führte jedoch zu dem Namen „Stalinstadt“.
  • Bis 1988 wuchs die Einwohnerzahl auf über 53.000 an
  • Die Wiedervereinigung führte zu großen Veränderungen. Arbeitsplätze wurden abgebaut, es folgten Arbeitslosigkeit und Abwanderung. Die Einwohnerzahl sank währenddessen um die Hälfte auf heute 23.373.

Die „Wohnstadt des Hüttenwerks“ steht mit Wohnkomplex I, II und III als größtes Flächendenkmal Deutschlands unter Schutz.

Unser Rundgang beginnt wie erwähnt im Rathaus am „Zentralen Platz“. Hier findet man auch eines der berühmten Mosaiken, die man an zahlreichen Plätzen der Stadt findet. Dieses hier stammt von Walter Womacka.

Walter Womacker „Unser neues Leben“

 

Entlang der Magistrale von Eisenhüttenstadt

Die Lindenallee (früher Leninallee) ist die sogenannte Magistrale und führt vom Zentralen Platz bis zum Stahlwerk. Links und rechts findet man besondere Bauwerke: das ehemalige Kaufhaus Magnet und das City Hotel Lunik, das Friedrich-Wolf-Theater sowie zahlreiche Geschäfte, die sofort an die DDR erinnern. Wie auch Beispiele für die Kunst am Bau, Mosaike, Skulpturen und Springbrunnen.

Am alten Kaufhaus Magnet sieht man das Wandbild „deutsch-polnische-sowjetische Freundschaft“ (1964) von Walter Womaka. In unteren Teil des Glassteinmosaiks, ist die Eisenverarbeitung bildlich dargestellt. Die Hand ist umgeben von einem Hochofen. Aus der Hand des Arbeiters entfliegt die Friedenstaube in Richtung der Sonne und der Flaggen der DDR, Polens und der Sowjetunion.

Ein riesiges Wandmosaik

 

Eher trist sind die Geschäfte auf der Magistrale.

Kein schöner Anblick ist auch das Hotel Lunik.

Das Lunik wechselte nach dem Mauerfall mehrfach den Besitzer und ist heute ein Lost Place.

 

Wohnkomplex II

Der schönste Teil von Eisenhüttenstadt liegt im Süden der Straße der Republik zwischen Fritz-Heckert-Straße (Westen) und Erich-Weinert-Allee (Osten). Hier findet man die berühmten Bauten, die in den Büchern abgebildet sind. Stalinistische/sozialistische Architektur in Reinkultur.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass es viel Regen gab. Trotzdem habe ich fotografiert, aber manches ist einfach nicht gelungen. Von den Mosaiken habe ich soviel herausgeholt wie möglich.

Mosaike

Ein Wohnblock im Wohnkomplex I trägt ein Wandbild aus Meissner Porzellan. Es stammt aus dem  dem Jahr 1954 und zeigt die Friedenstaube, eine Sonne und eine Familie.

Wandbild an der Kreuzung Rosa-Luxemburgstraße / Alte Ladenstraße.

 

Hier sieht man die Meißner Schwerter

 

Aber es gibt auch in Eisenhüttenstadt Vandalismus. So ist das folgende Wandbild fast zerstört.  Es erzählt die Geschichte der Entwicklung von Jägern mit Pfeil und Bogen bis hin zur Raumfahrt. Die Juri Gagarin Oberschule in dem Ludmilla-Hypius-Weg steht seit etwa fünf Jahren leer und das sieht man.  Hinter der Schule liegen außerdem zwei Turnhallen und eine Lehrschwimmhalle. Gegenüber von der Schule liegen Gebäude der ehemaligen Kaufhalle und ein Lokal. Auffallend ist die Gestaltung des Bodens mit Platten unterschiedlicher Farben und Strukturen.

Eigentlich möchte ich nicht mit diesem Bild abschließen, denn natürlich haben wir auch Grünanlagen und Spielplätze gesehen.

Wie gesagt, der starke Regen hat den ersten Besuch sicher beeinflußt. Aber der zweite Besuch hat diesen Eindruck und meine Gefühle bestärkt. Man hat kaum Menschen gesehen, die Straßen sind breit, aber es gibt kaum Radfahrer und Autos. Die Stadt erscheint leer.

Vielleicht sind aller guten Dinge 3. Vielleicht verstehe ich die Stadt nicht oder zu gut. Vielleicht probiere ich es noch einmal. Aber jetzt endete mein Besuch mit nassen Füssen am unwirklichen Bahnhof von Eisenhüttenstadt.

 

 

 

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